EIGENARTIG – eine Handgeschichte

Eigenartig

eigenartig

Ist es nicht eigenartig, was für ein Bild wir manchmal von uns selber haben? Dauernd wollen wir uns in ein anderes, vermeintlich besseres Licht rücken. Wir fokussieren auf die Menschen um uns herum, gleichen uns an, wollen so sein wie sie. So schön, so gross, so erfolgreich, so reich, so schlank, so sportlich, so humorvoll…. Die Liste könnte unendlich fortgesetzt werden. 

In der Handanalyse steht der Ringfinger für die Eigenschaften von Apollo, dem Gott der Sonne. Er zeigt uns, dass es ganz leicht und einfach, ja das Natürlichste überhaupt ist, zu strahlen, das eigene Licht in die Welt zu tragen, zu sein wie man ist, eigen in seiner Art. Eigenartig eben. Jeder Mensch ein Unikat, ein Individuum. 

Wenn also Apollo in deiner Hand eine Rolle spielt, dann geht es jetzt darum, aus dem Schatten hinauszutreten und den Mut zu haben, dich so zu zeigen wie du bist. Dich von der Masse abzuheben, deinen eigenen Style zu finden und Freude zu haben daran, anders zu sein. Zu dir und dem was dich ausmacht voll und ganz stehen. 

Ganz egal was andere denken oder sagen. Kritiker wird es immer geben. Dein Umgang damit macht den entscheidenden Unterschied. Es ist dieses eigenartig sein, das das Leben bunt und spannend macht. Die Diversität. Genau dadurch können wir uns optimal gegenseitig unterstützen, ergänzen und in unserer eigenen Art wertschätzen. Keiner kann alles alleine.

Kennst du deine Einzigartigkeit? Was macht dich aus? Womit bereicherst du die Welt? Was ist dein ganz spezielles Erkennungszeichen? Wie hebst du dich ab? Was kannst du wirklich gut? Das zu erkennen und zu leben ist wahre Kunst und ein Künstler zu sein heisst, etwas Verborgenes ans Licht zu bringen und im Aussen zu zeigen. 

Sei also mutig und eigenartig. Zeig dich und sei ein Lebenskünstler! Die Welt braucht dein Licht!

GEBEN UND ANNEHMEN – eine Lebensgeschichte

Geben und Annehmen

Geben und Annehmen

Kürzlich in einer kleinen Shoppingmall in einem Nachbarsland ist mir ein junger, fremdländisch aussehender Mann aufgefallen. Als hätte er bemerkt, dass ich ihn beobachte, wie er lässig in einen übergrossen Buchstaben gekrümelt in sein Handy vertieft ist, schaut er auf und strahlt mich an. Er hat mich das Geben und Annehmen neu gelehrt. 

Völlig locker fragt er mich nach 20 Euro. Ohne mit der Wimper zu zucken greife ich in meine Tasche, hole einen Schein raus und gebe es ihm, einfach so, weil es sich in dem Moment richtig anfühlt. Weil ich es habe und er anscheinend grad nicht. Weil die pure Geste des Gebens mir Freude macht, weil ich so auch ihm eine Freude machen kann. 

Er versichert mir, dass er mir das Geld zurückgeben werde. Ohne Erwartung dieses jemals wiederzusehen, tauschen wir unsere Nummern aus. Tage später meldet er sich  bei mir und wie er so nach meinen Bankdaten fragt kommt erste Skepsis auf. Ich soll die Karte fotografieren und ihm schicken. Doch ich vertraue ihm und tatsächlich, er überweist mir das Geld.

Nur weil ich seinen Stolz nicht verletzen möchte nehme ich das Geld von ihm an, nicht weil ich es annehmen möchte. Für mich ist Geben ist so viel einfacher als Annehmen. Doch das Annehmen ist eben auch eine Form des Gebens. Indem ich so meinem Gegenüber ermögliche, mir auch eine Freude zu machen. 

Schliesslich sind wir in Kontakt und er erzählt mir ein bisschen von seiner Geschichte. Von seiner tagelangen Flucht, was mit seiner Familie passiert ist und von seiner Freundin. Wie er jetzt an der Grenze arbeitet, freiwillig und ohne Bezahlung, weil er Menschen in Not helfen will. Das ist seine Form des Gebens. 

Was für unglaubliche Welten da für mich aufgegangen sind durch diese einfache Geste des Gebens und wieder Annehmens. 

MEINE WERTE – eine Handgeschichte

Meine Werte

Es gibt Situationen im Leben, da sind wir herausgefordert, ganz bei uns zu bleiben, in uns hinein zu spüren, hinein zu hören und uns zu fragen; was genau sind meine ganz persönlichen Werte? Was ist mir wichtig? Wo gehe ich Kompromisse ein und warum? Was will ich und was nicht (mehr)? Und wie kommuniziere ich das? 

Ohne Andere zu verletzen oder zu brüskieren ist es essentiell, dass wir uns selbst treu bleiben. Oft jedoch hindern wir uns da selbst am meisten. Unsere inneren, kleinen Drachen, unsere Lebenslektionen, prüfen unsere Standhaftigkeit, unsere Fortschritte im Lernen. Meine Werte sind klar – ich ernähre mich vegan, den Tieren, der Umwelt und meiner Gesundheit zu liebe.

Die Einladung also, die da in mein Postfach flattert, bringt mich ins Straucheln. In einem Steakhouse?! Auch wenn ich da kein Fleisch bestelle – es wäre, wie in einem Schlachthof zu stehen, zuzusehen und stumm hinzunehmen. Das fühlt sich alles Andere als gut und richtig an und entspricht definitiv nicht meinen Werten.

„Ich will doch dazugehören, sag einfach nichts und schweige. Du findest schon was Fleischloses zum Essen.“  So melden sich da meine Lebenslektionen der Zugehörigkeit und des Verstummens in mir. Das ruft postwendend meinen Lebenszweck des linken Saturns aufs Palett und ein hitziges Gefecht entflammt. 

Saturn will Gerechtigkeit und Integrität. Er nimmt das Verstummen an die Hand, macht ihm Mut, es trotzdem zu sagen und tröstet die Zugehörigkeit – keine Angst, ich bin bei dir! Meine Teilpersönlichkeiten formen ein Team und kommunizieren gemeinsam, respektvoll und klar: „Nein, wir kommen nicht mit ins Steakhouse. Das ist nicht kompatibel mit dem Empfehlen von veganen Produkten, mit dem wir einen Teil unseres Geldes verdienen.“

Und weisst du was? Es wurde für über 50 Leute eine neue Location gesucht und gefunden, im Respekt für das, wofür wir uns strak machen. Ist das nicht grandios?

DEIN WAHRES GESICHT – eine Traumgeschichte

Dein wahres Gesicht

Der Traum

Ich bin in einem Gebäude mit ein paar Anderen und wir wollen in diese „Boutique“. Ich brauche doch noch eine Bluse, denke ich. Eine ganz steile Wendeltreppe führt dort hinab. Doch da unten sind alle irgendwie am Tränen vergiessen und haben eine enormen Druck auf der Brust. Es gibt welche, die einem diesen Druck machen, also extra noch auf die Brust drücken. Dieser Druck, drückt die Tränen raus. Eine dunkelhäutige, junge Frau hebt wie ihr Gesicht weg. Es sieht aus wie eine Maske von so einer Puppe bei den Samaritern. So eine dicke, wie richtige Haut aussehende Plastikmaske. Sie hat sie kurz angehoben, um sie ein wenig zu ajustieren. 

Beim wieder Hinaufsteigen der Wendeltreppe wartete oben unser Lehrer und fragt, warum wir denn immer wieder da runter gehen, wenn es doch so weh tut? Ich kann kaum warten bis ich ihm meine Antwort geben kann: „Wir haben solange Druck und Schmerzen, solange wir nicht unser wahres Gesicht zeigen“.

Wir tun es immer wieder, auch wenn es schmerzt. Allen sind die Tränen nur so runtergekullert und doch wollen wir alle immer und immer wieder diese Wendeltreppe hinunter gehen. Es zieht uns magisch dort hin. Es geht gar nicht um die Bluse, es sind andere Dinge dort unten, die uns anziehen, nicht Blusen. 

… und die Übersetzung dazu 

Was brauchst du wirklich? Wann hast du dich das zum letzten Mal ernsthaft gefragt? Dies scheint mir die wichtigste Frage zu sein, die dieser Traum aufwirft. 

Das Gebäude steht für deinen Körper und die steile Wendeltreppe führt dich direkt in dein Innerstes. Es scheint Druck auf dir zu lasten, der dich traurig macht. Es ist wortwörtlich bedrückend da unten in deinem Unterbewusstsein, und doch willst du genau da hin, weil eben genau da das ist was du suchst, das, was du „brauchst“.

Da ist auch der Ort, wo es möglich ist, dein wahres Gesicht zu zeigen. Zu sehen, wer oder was dich so bedrückt, was dich so traurig macht. Deine aufgesetzte Maske trägt bestimmt einen grossen Anteil daran. 

Im Traum bist du Beobachterin, wie die andere Frau ihre Maske justiert und wirst so selber an deine eigene erinnert. Vielleicht ist es an der Zeit, sie ganz abzunehmen und dein wahres Gesicht zu zeigen? Es ist nämlich wunderschön!

LIEBE – eine Handgeschichte

Liebe

Liebe

Für die Schule der Liebe braucht es mindestens 6 sogenannte Schlaufen. Eine der 4 Grundglyphen in den Fingerabdrücken. Diese zeigen dann in der Hand des Eigners dessen Grundenergie. Ja, ich weiss, es wäre schön wenn es bei allen Menschen die Liebe wäre. Aber eben. Liebe offen gelebt will erst einmal gelernt werden. 

Manch eine Person hat nämlich eher die Tendenz sich zurückzuziehen, aus Angst verletzt zu werden, auch einfach um sich zu schützen. Meist mit gutem Grund. So fein gestrickt sind diese Seelen. Liebevoll, sensitiv, tiefgründig, sozial und einfühlsam. Einige auch mal angepasst und passiv, mit wenig Eigeninitiative, oder gar mal manipulativ und über die Tränendrüse agierend.

So war ein Kunde letzthin sehr berührt davon zu wissen, dass die Energie der Liebe ihn von je her begleitet und er sich von dieser Welle tragen lassen darf, mit offenem Herzen und im Vertrauen auf sein Gefühl. Wer seine Hände von aussen betrachtet und ihn nicht wirklich kennt, würde staunen, wie feinfühlig er im Innersten ist.

Denn  in der Hand zeigt sich sein Charakter stark, mutig und voller Energie und Tatendrang. Immer Lust auf Action, Bewegung und Abwechslung. Das komplette Gegenteil von seiner Innenwelt, die mehr auf Harmonie und zwischenmenschlicher Beziehungen basiert. Ein delikates Dilemma, wie wir es in der Sprache der Handanalyse nennen. 

Seine Aufgabe in diesem Leben ist es, diese beiden Energien in sich zu vereinen und beides zuzulassen. Mutig und mit offenem Herzen durchs Leben zu gehen, Menschen begegnen, sich einlassen und jedem seine wohlverdiente Chance geben. Mensch sein mit Höhen und Tiefen und Gefühle in allen Farbschattierungen zulassen.

Unterwegs sein. Fliessen. Sein. Die Liebe leben in steter Verbindung mit sich selbst. Das Herzenhören zelebrieren. Fragen: „Herz, was brauchst du jetzt?“ Berührung, Beziehung, Begegnung, Selbstliebe, Akzeptanz, Annahme und Getragensein. Das Leben ist ein Abenteuer und das Herz das wärmende Feuer der Liebe, des Lebens und der Freude. 

AUFTANKEN – eine Lebensgeschichte

Auftanken

Auf nach Arosa. Doch kaum im Auto bemerke ich, dass mein Tank leer ist. Also nichts wie los zum Auftanken. Fast schon blinde Routine. Bezahlen, Kolben rein, volltanken und weiter gehts. Doch oha, meine Tankanzeige leuchtet immer noch auf. Hää? Was soll das denn? Bestimmt ist da einfach das Lämpchen kaputt. 

So fahre ich also weiter und treffe ein paar hundert Meter weiter vorne per Zufall meinen Partner, der mit dem Bike unterwegs ist. Ich kurble das Fenster runter, erzähle ihm, was da grad abgeht und auch er meint, dass da sicher nur das Kontrolllämpchen defekt sei. Also ab Richtung Chur. Mein Gefühl im Bauch ist allerdings nicht so überzeugt von der Lämpchengeschichte. 

In Chur an der Tankstelle halte ich wieder an und frage, ob jemand da ist, der weiss wo in meinem Auto ein Sensor sei und ob der allenfalls einfach wieder aktiviert werden könne. Doch es war niemand so da. Also fahre ich tatsächlich einfach weiter, die kurvige Strasse hoch durchs enge Tal, bis schliesslich, wer hätte das gedacht, in den letzten Kurven urplötzlich aus die Maus ist. 

Erst schraubt der Motor runter auf 50% Leistung, ein paar Meter weiter auf 20, 10 dann 0. Hab wie verrückt das Gaspedal gepumpt und es grad noch geschafft, den Wagen an den Strassenrand zu fahren. 5 vor 12. Wortwörtlich. Und jetzt? Mama wartet auf mich am Mittagstisch. Also Daumen raus und rein ins nächste Auto, das  mich just noch pünktlich ins Alterszentrum bringt. 

Nach dem Essen muss ich dafür sorgen, dass mein Auto endlich richtig aufgetankt wird, damit ich wieder heim komme. Das ist mir alles recht eingefahren, weil es mit uns doch genau gleich läuft. Wir haben das Gefühl vollgetankt zu sein, schauen über alle Warnlampen hinweg, schieben alles zur Seite, sogar unsere Intuition, die sagt; ich hab kein gutes Gefühle. 

Und dennoch machen wir weiter, bis wir irgendwann hängen, nichts mehr geht und wir die allerletzte Kurve knapp noch kratzen bevor wir stehenbleiben. Wollen wir es wirklich soweit kommen lassen? Unsere Energie ausbeuten, über alle Grenzen hinwegsehen? Nichts tun? Alle Warnlämpchen ignorieren? Nein! Das ist definitiv NICHT der richtige Weg.

TIERARZT GETÖTET – eine Handgeschichte

Tierarzt getötet

Tierarzt getötet

Hastig überfliegt mein Auge den Titel einer E-Mail, die gerade reinkommt und es liest; Neuer Kaffee – Tierarzt getötet. Schnell wie ich manchmal bin habe ich das Mail sofort weggeklickt und gelöscht. Bin dann aber echt erschrocken über diese News. Was? Wegen Kaffe wird ein Tierarzt getötet? Neue Sorte? Gift im Kaffee? Schlechte Bohnen? Ein Boykott? Unfassbar! Das muss ich jetzt also nochmals lesen. 

Und was steht da jetzt?; Neuer Kaffee – tiefschwarz geröstet. Nix von Tierarzt getötet. Uff. Das zeigt mir einmal mehr, wie schnell wir etwas aufnehmen und das dann als die eine Wahrheit betrachten. Wenn wir in solchen Fällen, oder generell wenn einem etwas seltsam vorkommt, nicht ein zweites Mal nachschauen, hinhören oder nachfragen, dann kann es schnell passieren, dass wir eine völlig irreale Vorstellung von etwas erhalten.

Wir können also etwas komplett anders verstehen und dann total davon überzeugt sein, dass das so stimmt. Was ganz fatale Auswirkungen haben kann. Schnell werden so Gerüchte in die Welt gesetzt, die eine unglaubliche Negativspirale in Gang bringen können. So auch der Vorfall von kürzlich, als meine Tochter ihre Handtasche am Bahnhof beim Gleis vergessen und stehen gelassen hatte.

Ein Herr von der SBB mit französischer Muttersprache hat meinen Anruf entgegengenommen. Ich hab ihm gesagt, dass auf Gleis 43 eine schwarze Michael Kors Tasche stehen gelassen worden sei. Kurze Zeit später ruft mich die Dame vom Fundbüro an. Sie habe nichts gefunden auf Gleis 34 und es sei auch keine schwarze Microsoft Tasche abgeben worden. Nein!! 

Wenn in der Handanalyse der rechte Merkurfinger in der Lebenslektion ist, zeigen sich genau diese Themen. Immer und immer wieder geht es da um Kommunikation, Verstehen, Zuhören und Missverständnisse. Am Laufmeter. Und ich weiss genau wie sich diese Lektion in der Hand und im alltäglichen Leben anfühlt! Meine Seelenagenda erinnert mich immer wieder neu daran.

DER TAUCHER – eine Traumgeschichte

Der Taucher

Wenn wir träumen sind wir wie der Taucher,  denn wir tauchen oft ganz, ganz tief ab in unsere unbewussten Sphären, da wo alles möglich ist und der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind. Im Unterbewusstsein. Dort wo wir jede Nacht sind und versuchen, unsere Eindrücke des Tages und des Lebens allgemein, zu verarbeiten. Doch längst nicht immer können wir, wenn wir erwachen, uns erinnern daran, was uns unsere inneren Bilder gezeigt haben, unsere Seele uns mitteilen wollte. 

Der Traum

Ich sehe mich als Beobachterin, die zuschaut, wie grad ein Taucher aus der Tiefen am Auftauchen ist. Ich höre seine Atemgeräusche, wie diese immer näher und näher kommen, immer lauter und lauter werden. Kurz bevor er mit seiner ausgestreckten rechten Hand, so macht man das als Taucher, die Wasseroberfläche durchbricht, erwache ich und merke, dass ich nicht die Beobachterin bin, sondern der Taucher. Ich bin nämlich selber aufgetaucht aus den Tiefen meiner Traumwelt, denn neben mir atmet mein Buddy weiter laut vor sich hin und schläft gemütlich weiter. 

… und die Übersetzung dazu 

Das zeigt mir eindrücklich, wie in diesem Traum ein so genannter Rollentausch stattfindet, dass ich im Traum, und auch danach, eben gar nicht die bin, die ich meine zu sein — die, die nur beobachtet wie aufgetaucht wird — sondern die, die selber wieder auftaucht ins Wachbewusstsein. Es ist wie eine andere Instanz in mir, die zuschaut.  So läuft das sehr oft in Träumen ab: Ein Teil von uns ist der Träumer, ein anderer Teil ist der Beobachter.  Nach jedem Traum geht es schliesslich darum, zu erkennen, welcher Teil in mir stellvertretend für welchen Teil im Traum steht. Tscheggsch? Würden meine Teenies jetzt fragen 🙂 

So bin ich selbst im Traum der Taucher. Obwohl ich ihn als meinen Buddy gesehen habe — mein Partner, der immer noch gemütlich neben mir im weichen, warmen Bett liegt und mich mit seinem lauten Atmen aus dem Tiefschlaf geholt hat. 

DIE KOPFLINIE – eine Handgeschichte

Die Kopflinie

gebrochene Kopflinie
Beispielbild

Die  Kopflinie gibt uns Aufschluss darüber, wie wir denken und wieviel Zeit wir in unseren Gedanken verbringen. Sie zeigt uns auf, wie wir unseren Denkapparat benutzen. Dabei schauen wir, ob die Kopflinie gerade, gebogen, kurz oder lang ist, und wie ihr Zustand allgemein ist. Gibt es Punkte, Blasen Unterbrüche? Denken wir schwarz/weiss, intuitiv, rational? Sind unsere Gedanken klar oder verworren? Wie gut sind wir im Entscheidungen treffen? Und so weiter.

Kürzlich war eine nicht mehr ganz so junge Frau bei mir für eine kurze Handanalyse. Ganz still setzt sie sich hin und hält mir ihre Hände entgegen. Ihre grossen, dunklen Augen erwartungsvoll auf mich gerichtet. Ihr Blick jedoch ist seltsam leer und es  fühlt sich komisch an. 

Beim Betrachten ihrer Hände zeigt sich mir, nebst dutzenden von wild in der Hand verteilten Linien, vor allem etwas; diese stark unterbrochene Kopflinie, die mir schwer zu denken gibt. Analog ihrer Fingerabdrücke ist ihre Lebensaufgabe, also ihre Lebenslektion, auf dem rechten Mittelfinger mit dem Thema Verantwortung. Im Umgang mit sich selber, mit Anderen, Gesetzen, Instanzen, Ämtern, Bürokratie, Geld und so weiter. 

Mein Fazit nach dieser kurzen Analyse; Die gebrochene Kopflinie macht es ihr schwer, verbindende, zusammenhängende Gedanken zu verfolgen. Ihr Denkvorgang, ihr Denken allgemein, wird immer wieder unterbrochen. Das macht es praktisch unmöglich für sie, Verantwortung in all den oben genannten Bereichen zu übernehmen. 

Und wie soll ich ihr das nun rüberbringen? Ganz vorsichtig taste ich mich an diese fragile Thematik heran, bis sie mir schliesslich erzählt, dass die KESB ihr ihr drei Wochen altes Baby weggenommen habe! Für eine Mutter eine Tragödie sondergleichen, verbunden mit unsagbarem Schmerz.

Doch ich merke im Gespräch und in ihrem Verhalten schnell, dass sie geistig tatsächlich die Fäden nicht wirklich in der Hand hat und dass es, zum Wohl des Kindes, höchst sehr wahrscheinlich einen legitimen Grund gibt, warum die gesetzlichen Instanzen so interveniert haben. 

HILFE! – eine Lebensgeschichte

Hilfe!

Hilfe

Noch selten hätte ich Hilfe mehr gebrauchen können, als vor ein paar Tagen. Wenn du plötzlich auf dem regennassem Boden wieder zu dir kommst und dir einfach nur noch Unterstützung wünschst. Stattdessen jedoch in leere Augen blickst, die desinteressiert hinter den Scheiben des Fahrzeuges auf dem Parkplatz neben dir hervorlugen, dann passiert ganz tief drinnen etwas unglaublich Seltsames. 

Nicht nur der Inhalt meines Magens kommt schier hoch, auch ein stilles, ungläubiges Staunen und viele Fragen stürmen wild meine Gedankenzentrale. Hat dieser Mann mich tatsächlich nicht gesehen? Kann das wirklich möglich sein? Und was ist mit der Frau neben dem WC-Häuschen, die mit ihrer kleinen Tochter dort wartet bis es endlich frei wird?

Schmerzhaft schiesst die Erkenntnis durch all meine Zellen, als wäre diese kleine Armee nicht schon genug beschäftigt damit, die Fremdkörper in meinem Darm irgendwie wieder loszuwerden. Tatsächlich haben diese zwei Menschen einfach nur tatenlos zugeschaut, wie ich vor meiner Wagentüre ohnmächtig zusammenbreche, ohne mir ihre Hilfe anzubieten.  Sag ist das denn normal?! Oder  legal?  

Das kann doch gar nicht wahr sein. So etwas tun Menschen einfach nicht! Verzweiflung macht sich breit. Ich selbst, mit meiner – handanalytisch-technisch gesehen – Schule des Dienens wäre in Windeseile zur Stelle, wenn es jemandem offensichtlich so ans Eingemachte ginge und Hilfe anbieten so offensichtlich ist.  

Wie können Menschen so ignorant sein? Warum scheint es so viel einfacher zu sein,  wegzuschauen und so zu tun als sei alles gut und nichts passiert? Warum lassen diese Leute mich einfach im Regen liegen? Alles nur ein schlechter Witz des Universums? Oder ein Wink des Schicksals, der mir zeigt wohin es führt, wenn ich nicht endlich lerne Hilfe anzunehmen?  

Nachdem die sintflutartigen Wasserstürze, nicht nur die vom Himmel, langsam versiegt und sich meine Verdauung wieder eingependelt hat, fahre ich vorsichtig, nachdenklich und im Herzen sehr fragil wieder weiter.