Die schwarze Wolke – eine Handgeschichte

Die schwarze Wolke

Schon als ich noch ein Kind war, habe ich diese schwarze Wolke über meiner Mutter wahrgenommen. Lange Zeit habe ich mich von dieser dunklen Energie bedroht gefühlt. Sie war immer präsent, sehr nahe und doch nicht sichtbar und hat mir Angst gemacht. Für mich war klar, dass diese Energie weiblich ist.

Eines Nachts im Jahre 1988 hatte ich ein initiales Erlebnis.

Damals lebte ich auf den Seychellen. Als ich des nachts nach Hause in mein Zimmer kam, war sie nicht wie gewöhnlich irgendwo versteckt, sondern sass auf meinem Bett! Jung, hager, mit schwarzem, strähnigem, langem Haar. Wir schauten uns direkt in die Augen.

Mein Blick hielt dem ihren Stand bis sie plötzlich, mit einem ultrahohen, lauten Ton wie eine Sirene durch den Spalt in der Glastüre verschwand. Für immer, denn seit dieser Nacht hat sie mich nie mehr aufgesucht. Exakt zu dieser Zeit hat meine Mutter, bewusst oder unbewusst, ihren Fokus voll und ganz auf meine Schwester verlegt.

Mir war bald klar, dass die ganze Geschichte mit dieser schwarzen Wolke über meiner Mutter eine Ahnengeschichte sein muss. Etwas, das sie weitergeben muss. Was bei mir nicht funktioniert hat, hat sie erfolgreich bei meiner Schwester angewendet. Leider kann ich mit den beiden darüber nicht reden, da sie anders denken als ich.

Kürzlich hatten wir einen riesen Disput und ich habe  mit einer Freundin darüber geredet und ihr von der schwarzen Wolke erzählt, die ich bereits als Kind wahrgenommen hatte. Am folgenden Tag hat sie mir Ausschnitte aus einem Buch von Phyllis Krystal geschickt mit einer Textpassage; The black Family cloud.

Für einen kurzen Moment hat mir der Atem gestockt. Wahnsinn! Jetzt redet eine renommierte Psychotherapeutin über ein Phänomen, ja nimmt sogar „meine Worte“, und beschreibt exakt, was ich all die Jahre erlebt und wahrgenommen und kaum jemandem je erzählt habe. Die wenigsten haben mich wirklich ernst genommen. 

So ist es leider auch heute noch. Doch mittlerweile kann ich damit anders umgehen. Ich habe gelernt, dass ich Dinge wahrnehme, Bilder lesen und in Worte fassen kann, die vielen Menschen in dieser Form verborgen bleiben, und dass ich meiner Wahrnehmung vertrauen kann. Auch wenn es kaum jemand wirklich versteht.  

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.